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    Das FORTE-Modell: Wie die Fraunhofer-Studie 250.000 Publikationen in 31 Erfolgsfaktoren übersetzt

    2026-01-07

    Das FORTE-Modell: Von 250.000 Studien zu 31 Erfolgsfaktoren

    Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat eine Forschungsleistung vollbracht, die in ihrer Systematik einzigartig ist. Das Forschungs- und Innovationszentrum für Transformation & Governance (HNFIZ) hat über 250.000 wissenschaftliche Publikationen aus 35 Jahren Transformationsforschung(opens in a new tab) mit KI-Unterstützung analysiert. Das Ziel war bewusst reduziert, aber scharf fokussiert: Welche Faktoren bestimmen tatsächlich, ob eine Transformation gelingt oder scheitert?

    Die Antwort sind 31 Schlüsselfaktoren, die sich in das FORTE-Modell strukturieren – fünf Dimensionen, die jeder Organisationsentwickler kennen sollte.

    Das FORTE-Modell: Die fünf Dimensionen

    1. CORE_FIX_PLAN.md CUBE_ALIGNMENT_FIX.md – Führung und Governance

    Diese Dimension vereint die klassische Leadership-Frage mit der Meta-Frage: Wer entscheidet wie, und wird die Entscheidung mitgetragen?

    Konkrete Erfolgsfaktoren hier:

    • Ein Führungsstil, der Veränderung aktiv fördert (nicht nur toleriert)
    • Richtig gesetzte Anreize (Kompensation und Karriere müssen Transformation belohnen, nicht bestrafen)
    • Kluge externe Partnerschaften (von denen unten mehr)
    • Alignment im Vorstand/in der Geschäftsleitung (Uneinigkeit oben blockiert Bewegung unten)

    Die kritische Insight: BCG-Transformationsexpertin Nina Kataeva betont in ihrer Analyse der Fraunhofer-Studie: „Alles steht und fällt mit dem Bereich Führung. Unternehmensspitzen, die hier versagten, könnten auch in den vier anderen Punkten nur bedingt etwas ausrichten."

    Das bedeutet: Sie können die beste Technologie haben, die besten Mitarbeitenden – wenn Führung fehlt, läuft nichts zusammen.

    2. BLOG_GUIDE.md CORE_FIX_PLAN.md MOBILE_CUBE_ALIGNMENT_SOLUTION.md MOBILE_CUBE_SOLUTION.md SINGLE_SHAPE_CUBE_IMPLEMENTATION.md – Organisationskultur und Zusammenarbeit

    Hier zeigt sich, ob Vertrauen institutionalisiert ist oder nur eine Folie in PowerPoint-Präsentationen.

    Zentrale Faktoren:

    • Vertrauen in Entscheidungen (nicht blind, sondern begründet vertraut)
    • Lernorientierung statt Fehlervermeidung
    • Innovationsfähigkeit (die Bereitschaft zu experimentieren)
    • Eine Kultur, die Silos verhindert, nicht nur verwaltet

    Das Spotify-Beispiel: Spotify wird in der Fraunhofer-Studie als Paradebeispiel cited. Das Unternehmen arbeitet nicht hierarchisch-funktional, sondern in sogenannten „Squads", „Tribes" und „Guilds". Das Entscheidende: „Agile Prinzipien sind hier keine Methode, sondern organisationsweite Kultur", sagt Moritz Maier, Transformationsforscher am Fraunhofer IAO.

    Spotify verhindert so aktiv, dass sich Silos bilden, deren Wissen dem Rest der Organisation nicht zugänglich ist. Und: Spotify arbeitet seit 2011 in dieser Struktur – das Modell funktioniert nicht als Experiment, sondern als Betriebssystem.

    3. CORE_FIX_PLAN.md README.md – Ressourcen und geistiges Eigentum

    Die häufigste Krise in Transformationen: Alte und neue Ressourcen konkurrieren miteinander, statt sich zu ergänzen.

    Erfolgsfaktoren:

    • Personelle Ressourcen strategisch einsetzen (nicht alle Außendienstler durch Technologie ersetzen, sondern repositionieren)
    • Finanzielle Kontinuität in einer Transformationsphase (Stop-and-Go-Budgetierung blockiert Lernkurven)
    • Ein bewusstes Wissensmanagement (explizites Wissen teilen, nicht hoarden)
    • Gesundes Maß an Fluktuation (nicht Null, aber auch nicht 30%+)

    Ein konkretes Wirkungsprinzip: Würth ist hier ein exemplarisches Beispiel. Der Weltmarktführer für Montage- und Befestigungsmaterial hätte seine 30.000+ Außendienstler durch Online-Vertrieb und Filialen ersetzen können. Statt dessen repositionierte das Unternehmen sie als „Dirigenten" – Menschen, die Kunden beraten, zielgerichtet verkaufen, und alle Kontaktpunkte (Online-Shop, Niederlassungen, App, Telefon) zusammenhalten.

    Wie machte Würth das? Durch strukturelles Wissensmanagement: Investitionen in Cloud, Rechenzentren, KI. Der Außendienstler verdient auch mit, wenn der Kunde über eine Filiale oder online kauft – damit konkurrieren die Kanäle nicht, sie kooperieren.

    4. CUBE_ALIGNMENT_FIX.md MOBILE_CUBE_ALIGNMENT_SOLUTION.md MOBILE_CUBE_SOLUTION.md SINGLE_SHAPE_CUBE_IMPLEMENTATION.md – Technologie und Daten

    Hier liegt oft der Fehler: Technologie als Selbstzweck statt als Enabler strategischer Ziele.

    Erfolgsfaktoren:

    • Eine schlüssige Strategie für Technologieeinsatz
    • Systematische Nutzung von Daten (nicht sammeln, sondern nutzen)
    • Die richtigen Tätigkeiten automatisieren (nicht: Was können wir automatisieren? Sondern: Was sollten Menschen tun?)
    • Eine technologieoffene Kultur, in der Experimentieren belohnt wird

    Das Schunk-Beispiel: Schunk, Mittelständler in der Komponenten- und Greifer-Herstellung, führt nicht nur digitale Zwillinge ein, sondern skaliert sie unternehmensbreit. Das ermöglicht es, Kundenprobleme digital zu simulieren, statt physische Prototypen hin- und herzutransportieren. Aber: Schunk ermutigt jeden Mitarbeitenden, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen – von der Produktion über Vertrieb bis Einkauf. Der 3D-Drucker in der Fabrik dient nicht nur Prototyping, sondern auch der Entängstigung von neuer Technologie.

    5. BLOG_GUIDE.md CORE_FIX_PLAN.md CUBE_ALIGNMENT_FIX.md MOBILE_CUBE_ALIGNMENT_SOLUTION.md MOBILE_CUBE_SOLUTION.md README.md SINGLE_SHAPE_CUBE_IMPLEMENTATION.md – Ecosystems und Markt

    Die meisten Organisationen operieren nicht mehr in Isolation. Der externe Kontext ist Teil der Transformationsfähigkeit.

    Erfolgsfaktoren:

    • Kluge externe Partnerschaften (Start-ups, Forschungsinstitute, Lieferanten)
    • Zugang zu relevantem Marktintelligence
    • Ein regulatorisches Umfeld, das Innovation nicht erstickt (oder zumindest: wie man darin navigiert)
    • Ein Netzwerk von Stakeholdern, die Transformation mittragen oder mindestens nicht blockieren

    Das EBM-Papst-Beispiel: Der Ventilatorenhersteller führte unter CTO Tomas Smetana eine konsequente Strategie ein: Statt blind Partner einzukaufen, definiert das Unternehmen zuerst strategische Ziele, dann Fokusfelder, dann Partner. Das verhindert die Falle, die viele Konzerne tappen: externe Start-ups kaufen, ohne zu wissen, wofür.

    EBM-Papst sitzt auch im Innovationspark Heilbronn, wo Start-ups, Hochschulen und Konzerne zusammenarbeiten. Das ist nicht Netzwerken – das ist systematische Ökosystem-Aktivierung.

    Warum das FORTE-Modell ein Wendepunkt für Organisationsentwicklung ist

    Drei kritische Unterscheidungen:

    1. Von Benchmarking zu Diagnose

    Klassische Transformations-Audits checken ab: „Haben Sie eine Transformationsstrategie? Ja/Nein. Haben Sie ein Change-Programm? Ja/Nein." Das FORTE-Modell fragt: In welcher dieser 31 Dimensionen sind Sie schwach – und welche ist für IHREN Kontext am kritischsten?

    2. Von Isolation zu Systemsicht

    Das Modell zeigt: Sie können nicht „nur" die Technologie transformieren oder „nur" die Kultur. Diese fünf Dimensionen sind gekoppelt. Ein Führungsstil, der Veränderung verhindert, kann alle Technologie-Investitionen blocken. Eine schwache Organisations-Kultur kann die besten Partner-Strategien zunichte machen.

    3. Von Aktivitäten zu Wirkfaktoren

    31 Faktoren sind nicht Checklist-Items. Sie sind Systemhebel, die – wenn richtig adressiert – die Transformationsfähigkeit einer ganzen Organisation verändern.

    Operative Implikationen für Organisationsentwickler

    Drei konkrete Takeaways:

    1. Diagnostizieren Sie mit dem FORTE-Modell, nicht mit Standard-Audits Die Fraunhofer HNFIZ stellt den Transformationsindex ab Oktober 2025 zur Verfügung. Er ist nicht nur theoretisch, sondern wurde an 67 dokumentierten Transformationsbeispielen validiert – von großen Konzernen bis zu Hidden Champions.

    2. Erkennen Sie die Ankopplung zwischen Dimensionen Wenn Führungskultur schwach ist, werden starke Technologie-Investitionen in Silos landen. Wenn die Organisations-Kultur keine Lernorientierung hat, wird externe Innovation nicht absorbiert. Identifizieren Sie die kritische Kette.

    3. Bauen Sie die Ecosystem-Strategie zuerst, dann die Partner-Portfolio Das ist der häufigste Fehler: Unternehmen suchen Partner zuerst, Strategie später. Es sollte sein: Strategie → Fokusfelder → Partner. Das macht EBM-Papst vor.

    Die Fraunhofer-Studie „Transformation wirksam steuern" ist nicht eine weitere Transformations-Guideline. Sie ist eine wissenschaftliche Landkarte, die zeigt, wo die kritischen Stellschrauben tatsächlich sind.

    Über den Autor

    Kevin Rassner - Systemic Organizational Developer and Agile COO Coach in Heilbronn

    Kevin Rassner ist Experte für angewandte Organisationsentwicklung und begleitet Unternehmen bei Transformationsprozessen zwischen Strategie, Führung und Kultur. Er verbindet über zehn Jahre Führungserfahrung mit einem systemischen Blick auf wirksame Zusammenarbeit.