Skip to content
    Gamification als Werkzeug des modernen Managers

    Gamification als Werkzeug des modernen Managers

    2018-11-10

    Der Begriff Gamification wird häufig im Kontext eines Nudges(opens in a new tab) verwendet, also eine Beeinflussung, welche gewünschtes Verhalten verstärkt.

    So kann es Sinn machen, sparsames Fahren mit dem digitalen Wachsen eines Baumes darzustellen, wohingegen starkes Beschleunigen dem Baum schadet.

    Doch diese Art von Gamification ist hier nicht gemeint. In diesem Artikel soll es um die untrennbare Verbindung von Spielen und Lernen gehen und wie sich diese in einen Unternehmenskontext einbringen lässt. Dieser Beitrag ist hierbei weitaus weniger wissenschaftlich sondern zeigt nur kurz Erfahrungen, welche ich mit diesem Thema gemacht habe. Gerne wüsste ich eure Meinung zu Anwendungsmöglichkeiten und Hindernissen!

    Spielend Lernen

    Nachdem sie Jahre damit verbracht hatten, ihre eigene Kreativität zu maximieren, waren die Erfinder der Blue Man Group Matt Goldman, Phil Stanton und Chris Wink Experten darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, welche ihnen dabei halfen innovativ zu sein. Durch einen Besuch auf einer TED-Konferenz lernten sie Sir Ken Robinson(opens in a new tab) kennen, welcher eine Abschaffung der Kreativität tötenden Praktiken unseres heutigen Schulsystems forderte.

    Zusammen gründeten sie die Blue School(opens in a new tab) in New York, welche umsetzt, was Jahrzehnte der Forschung zeigen: Lernen und Spielen gehören zusammen.

    In “Eine kurze Geschichte der Menschheit(opens in a new tab)” zeigt Yuval Noah Harari den evolutionären Weg dahin: Der effizienteste Weg, Fähigkeiten zu lernen, war und ist das Spielen.

    Die Blue School versucht den angeborenen Spieltrieb auch in der Grundschule und weiterführenden Schule aufrechtzuerhalten. Diese Maßnahme, welche Kreativität und interessensgerechte Spezialisierung der Schüler ermöglicht, ist meiner Meinung nach notwendig, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.

    Auch wenn es gut ist, dass Schüler länger spielen dürfen, warum sollten wir je damit aufhören? Wie lassen sich Spiele in den seriösen und ergebnisorientierten Arbeitsalltag einbringen?

    Spielend über Methoden & Prozesse lernen

    Vergangene Woche war ich auf einem Workshop für skaliertes Scrum. Da Scrum eine Implementierung von menschzentriertem modernen Management darstellt, war ich nicht überrascht, auch auf dieser Veranstaltung Gamification zu entdecken.

    Die als Simulation aufgebaute Schulung hatte ein kindliches Thema, überall lagen Bastelutensilien und die Stimmung war experimentell und hemdsärmelig.

    Genau die richtigen Bedingungen also, um Kreativität zu fordern und fördern – und Inhalte auf einem Weg zu vermitteln, der wenig ermüdet. Ohne dass explizit darauf hingewiesen wurde, werden dabei agile Grundwerte vermittelt. Diese Wissensvermittlung auf Metaebene ist unglaublich effizient und findet daher immer Berücksichtigung, wenn ich Schulungen ausarbeite oder Mitarbeiter coache.

    Spielend Unternehmenskommunikation tätigen

    Auch Anfang diesen Jahres griff ich auf Gamification zurück, um ein eher trockenes Thema an mein Team zu kommunizieren. Durch ständiges Wachstum war die Unsicherheit über Neuerungen und Änderungen spürbar gewachsen.

    Die Änderungen, die ich relevant fand, packte ich daher in ein Quiz, bei dem man sich mit dem Smartphone oder Computer anmelden konnte. Auf Zeit ging es in neun Fragerunden. Nach 15 Minuten war die Stimmung locker, die Inhalte vermittelt und der erste Platz stand fest (wie angedroht: Ewiger Ruhm und Anerkennung!).

    Der interessante Aspekt bei diesem Spiel war die soziale Komponente, das Teamerlebnis sowie die Möglichkeit, im humorvollen Umfeld über aufgedeckte Wissenslücken zu sprechen.

    Spielend Programme meistern

    Auch für Toolschulungen ist Gamification eine super Möglichkeit. Salesforce, einer der führenden Anbieter für CRM-Software, hat einen spannenden Weg gefunden, Berater und Implementierer zu schulen: Wie in einem Computerspiel trainiert man Skills, verdient Badges und levelt hoch. Dieser Ansatz passt perfekt in die Gesamtstrategie des Unternehmens.

    Nur mit hervorragend ausgebildeten Beratern und Administratoren kann der Kunde den größtmöglichen Mehrwert erleben.

    Spielen im Produktentwicklungsprozess

    Das sogenannte Agile Manifest(opens in a new tab) legt besonderen Fokus auf schnelle Rückmeldungen vom Kunden. Auch hier hilft Gamification:

    Alexander Krause(opens in a new tab) berichtet von einem spielerischen Weg, Grenzen zum Kunden abzubauen: Mit einfachen Bastelutensilien wird das Endprodukt aufgemalt und geklebt – die Interaktion des Kunden dann in einem Handyfilm festgehalten. Das Video zeigt schnell, ob das Aufgabenverständnis passt. Der Spielcharakter hilft, Kritik zu äußern und Feedback zu geben.

    Spielerisch-Competetiver Umgang mit Changeprozessen

    Lee Bolman und Terrence Deal(opens in a new tab) beschreiben, wie Unternehmen von einer „Arena“ profitieren können: Veränderung bringt Unbehagen und Kontrollverlust, aber ein Spielfeld bietet die Möglichkeit, Kontrolle zu behalten.

    Auch wenn Mitarbeiter nicht maßgeblich auf die Veränderung Einfluss nehmen können, hilft ein Spielfeld, auf dem sie ihre Ideen und Zweifel äußern können. Die Diskussion sollte offen sein – und auch Fürsprecher gehören zur Arena.

    Firmen gewinnen Akzeptanz und das Gefühl der Mitarbeiter, Teil der Strategie und des Unternehmens zu sein.

    Zum Spielen gehört auch verlieren dürfen

    Spielen ist Teil der menschlichen Natur und bringt unverfängliche und unbedeutende Einführungen von Gamification in den Arbeitsalltag. Wichtig ist eine Kultur, die Niederlagen akzeptiert und als Lernerfolg feiert. Spiele sind ausprobieren, experimentieren, fail-early und fail-often gehören genauso dazu wie Kollaboration. Gamification ist ein hervorragender Weg, Kreativität und Zusammenarbeit zu fördern.

    Über den Autor

    Kevin Rassner - Systemic Organizational Developer and Agile COO Coach in Heilbronn

    Kevin Rassner ist Experte für angewandte Organisationsentwicklung und begleitet Unternehmen bei Transformationsprozessen zwischen Strategie, Führung und Kultur. Er verbindet über zehn Jahre Führungserfahrung mit einem systemischen Blick auf wirksame Zusammenarbeit.