
Kreativ-Workshop: Nacht im Museum
Mein Team und ich waren Anfang des Jahres vor eine besondere Herausforderung gestellt, welche kreative Lösungen erforderte. Da die Zeit in den Teammeetings oft spärlich und die Teilnehmer/innen durch den Arbeitsdruck nicht vollständig loslassen können, beschloss ich mich, ein paar Denkmuster abzulegen und so dem Team bei dem Verlassen der Ihrigen zu helfen.
Wie ich im letzten Beitrag aufgezeigt habe, sind Stimulation, Beobachtung und das Ausbrechen aus alten Denkmustern der Treibstoff, welcher bei der Lösung unserer Probleme hilfreich sein könnte.
Bei der Organisation eines Kreativ-Workshops waren mir daher folgende Punkte wichtig:
- Ein geographischer Wechsel, um den gewohnten Rahmen (Ablenkung durch Arbeit) zu verlassen
- Ein Umfeld, welches uns inspiriert
- Freiräume, Bewegung und Dynamik sollten möglich sein
Nach einer Internetrecherche stieß ich auf die Ausstellung Open Codes(opens in a new tab), welche aktuell im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe residiert. Die Ausstellung, welche die Bedeutung von Software in unserem Leben in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darstellt, bot für mich die perfekte Mischung aus thematisch relevanter Information und unerwarteter Inspiration. Zudem beeindruckte mich bei meinem ersten Besuch die offene Bauweise und Integration von öffentlichen Arbeitsplätzen in die Ausstellung. Inmitten von Besuchern und Exponaten stehen Sitzgruppen und Tische, welche für Meetings, Workshops oder zum abwechslungsreichen Arbeiten anmietbar(opens in a new tab) sind. Die Idee der Aussteller, Programmierer, welche dieses Umfeld zum inspirierten Arbeiten aufsuchen, zum Teil der Ausstellung zu machen, spielte uns definitiv in die Karten.
Diesen Donnerstag war es dann soweit. 14 Ingenieure/innen trafen sich im ZKM, bewaffnet nur mit einem Moderationskoffer und vielen Fragen, für welche es Antworten zu finden galt.
Gemäß gängiger Ideenfindungsmethodiken versuchten wir zunächst, möglichst viel Input in uns hereinzubekommen. Glücklicherweise befanden wir uns in einem Museum, weswegen es an Input nicht mangelte. Die Teilnehmer empfanden diesen Teil sehr unterschiedlich. Während einige die Ausstellung lieber ausführlicher studiert hätten, hätten andere die Zeit lieber bereits mit der Erarbeitung von Ideen genutzt.
Anschließend ging es in Gruppenarbeiten, in welchen die von der Gruppe wichtigsten Probleme aufgeschlüsselt und Lösungsansätze formuliert wurden. Die Ergebnisse unterschieden sich sehr in ihren Ansätzen, Detailtiefe und Darstellungsformen, da auch die Probleme sehr unterschiedlich waren.
Sitzgruppen, Sofas und Bistrotische dienten den Gruppen als Stationen für die jeweiligen Aufgaben. Die somit erzwungenen örtlichen Wechsel erleichtern einen Perspektivwechsel, wenn man mal nicht weiter wusste.
Anschließend kamen wir wieder zusammen, um die Ergebnisse auszutauschen und neue Handlungsfelder für den zweiten Teil des Workshops zu finden. Die unterschiedliche Flughöhe der Lösungen, die fehlenden Präsentationsmöglichkeiten (keine Flipcharts o.ä.) und der Lärm der zu genau diesem Zeitpunkt vorbeiströmenden Besuchermassen machten diesen Teil zum vermutlich unproduktivsten und unzufriedenstellensten. Nachahmern sei daher für solche Arbeiten der Ackerspace empfohlen, welcher sich in ruhigerer Randlage befindet und für Besitzer von Magneten quasi eine metallische Metaplanwand bereitstellt.
Mal wurde man beobachtet, mal beobachtete man. Besuchergruppen störten den Ablauf nur selten, sondern hielten sich lieber in sicherer Entfernung auf.
Nach dem eher ermüdenden Mittelteil waren alle bereit für eine Pause. In etlichen Runden Rundlauf (davon eine aus Diversity-Gründen Linksrum) und Tischkicker konnte man den Kopf wieder frei kriegen.
In den Pausen konnte man sich mit Tischkicker und Tischtennis über die Tatsache hinwegtrösten, dass man gerade nicht arbeiten durfte.
Deutlich energiereicher trafen wir uns wieder in der Mitte, um die offenen Handlungsfelder zu priorisieren. Ziel war es ganz klar, die Dinge abzuschließen, welche eine Anwesenheit aller/vieler bedurfte. Hierzu einigten wir uns auf das grobe weitere Vorgehen und teilten uns nochmal in drei Arbeitsgruppen auf, um das größte verbleibende Problem von drei Perspektiven anzugehen.
Was man hier sieht, sind keine Gedankenblasen der Teilnehmer, sondern lediglich eine svg-Darstellung des Ausstellungsraumes. Hätten aber auch Gedankenblasen sein können.
Nach diesen sehr diskussionreichen Runden kamen wir zum letzten Mal zusammen, definierten ganz genau die nächsten Schritte und Verantwortlichkeiten und gaben Feedback. Obwohl alle sehr erschöpft waren, ging das abschließende Aufräumen sehr schnell – vielleicht weil unweit von uns schon Sushi und Steaks auf uns warteten.
Anders als der Film(opens in a new tab) war unsere Nacht im Museum nicht grauenhaft und ideenlos, sondern eine sehr positive Erfahrung. Vielen Dank hierfür gilt auch dem ZKM und Frau Kiolbassa, welche bei der Organisation vorab und vor Ort eine große Hilfe war!
Über den Autor

Kevin Rassner ist Experte für angewandte Organisationsentwicklung und begleitet Unternehmen bei Transformationsprozessen zwischen Strategie, Führung und Kultur. Er verbindet über zehn Jahre Führungserfahrung mit einem systemischen Blick auf wirksame Zusammenarbeit.
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Kevin Rassner ist Experte für angewandte Organisationsentwicklung und begleitet Unternehmen bei Transformationsprozessen zwischen Strategie, Führung und Kultur. Er verbindet über zehn Jahre Führungserfahrung mit einem systemischen Blick auf wirksame Zusammenarbeit.
